Nach dem anstrengenden Umzug bis hoch in das Wäscheregal waren die Mäuse völlig erschöpft, kraftlos und müde. „Wir machen erst eine ganz große Pause und schöpfen erst einmal neue Kräfte bevor wir unsere Taschen auspacken“, beschloß der Mäusevater. Nur die kleine Anne Eigennutz war damit überhaupt nicht einverstanden. Sie schrie ganz laut, „ich habe großen Hunger, ich muß jetzt etwas zu Essen haben, ich will keine Pause, jemand muß Essen holen“. „Wo gibt es denn so was“, antwortete ihr Brigitte die Dicke . „Wir haben alle Hunger, da mußt du dich eben noch etwas gedulden.“ „Nein, Nein ich will etwas zu Essen haben.“ Schrie Anne wieder ganz laut. Jetzt wurde der Mäusepapa aber Böse. „Ich werde es dir sagen wie wir es machen und dann ist Schluß mit deinem Geschrei. Wir ruhen uns erst alle aus, dann machen wir etwas sauber, dieser Schmutz ist ja fürchterlich und dann kümmern wir uns um unser Essen.“ Anne Eigennutz war damit nicht einverstanden, aber sie schwieg. Jede Maus hatte sich inzwischen einen Platz zum Ausruhen gesucht. Es wurde ganz still nur das Schnarchen von Mäuse-Schmidt Papa hörte man. Er war vor Erschöpfung eingeschlafen. Die Sonne schien oben durch die Fensterscheibe und die Mäuse erholten sich langsam von den Strapazen. Auf einmal rief Mäuse-Schmidt Mama, „die Anne ist verschwunden“. Mit einem Ruck waren alle Mäuse wieder auf den Beinen. Alle suchten Anne, aber sie war nicht zu finden. Mäusepapa wurde sehr, sehr zornig. „Das dieses Kind einfach nicht hören kann, so etwas eigennütziges. Wir müssen einen Suchtrupp zusammenstellen.“ Der Suchtrupp bestand nur aus den größeren Mäusekindern, Helga, Herbert, Brigitte, Tom, Maria, Karin und Mäuse-Schmidt Papa, der einen Plan machte, wo zuerst gesucht wird. Alle waren in großer Aufregung. Nur Anne spazierte lustig aus dem Wäscheraum in den Lüftungsschacht und suchte nach einen Eingang in die Küche. Sie fand auch gleich ein Mäuseloch, sie brauchte nur der Nase nach gehen. Die kleine zierliche Anne stand voller Staunen in der Küche. So etwas hat sie noch nie gesehen. Die vielen Menschen, die großen Töpfe und Pfannen, stapelweise Geschirr und, „was sehe ich da für feine Sachen. Ein großer langer Tisch voller Leckereien.“ „Wie komme ich bloss auf den Tisch“. Sie überlegte und überlegte. Sie überlegte so angestrengt, dass Anne immer mit dem Kopf hin und her wippte. Das ging eine ganze Weile so. Da kam ein Koch angelaufen, er stellte Kartons und Kisten vor den Tisch. Dann ging er wieder. Was für ein Glück ich habe. Dachte sich Anne. Flink rannte sie zu den Kisten und Kartons und kletterte auf den Tisch ohne dabei an die vielen Menschen, die in der Küche arbeiteten zu denken. So groß war ihre Gier nach den Leckereien. Auf den Tisch stand ein großer dicker Käse, Würste, Salate, Pasteten, Kuchen, Torten und, und.... Die kleine zierliche Maus stürzte sich auf den großen Käse, knapperte und knapperte, dann probierte sie die Würste, die Pasteten, den Kuchen, ihre Gier hatte keine Grenzen. Dabei wurde ihr kleiner Mäusebauch immer voller und voller, aber Anne kannte kein Ende. Sie lief zu den Torten, welche Köstlichkeiten, die viele Sahne, die feinen Früchte, die Schokolade. Sie schlang ein Stück nach dem anderen in sich hinein. Sie bemerkte auch nicht wie der Koch, der die Kartons und Kisten vor den Tisch stellte, wieder kam. Es sah das angekanperte Chaos. „Eine Maus, eine Maus hat unser kaltes Büffet angeknappert.“ Er holte schnell einen rießengroßen Kochlöffel und schlug zu. Zum Glück schlug er vor lauter Aufregung auf den dicken Käse, aber der Kochlöffel prallte ab und traf Anne auf den Kopf. Anne fiel vom Tisch, sie rollte wie eine Kugel, so dick war ihr Bauch inzwischen geworden, darunter. Die ganze Küche war inzwischen auf der Suche nach der Maus, alle rannten durcheinander . „Ich hab sie, ich hab sie.“ Rief ein dicker Koch, der gerade ein Küchenbeil in der Hand hatte. „Na warte du Maus, du wirst nie wieder Naschen.“ Schrie er, voller Wut und sein Kopf war ganz rot geworden. Er sah aus wie eine Tomate. Anne sah den dicken Koch, kam aber nur mühsam hoch, sie hatte viel zu viel gegessen, ihr Bauch tat so weh, ihr Kopf schmezte. Es wuchs ihr auf dem Kopf eine rießengroße Beule. Aber trotzdem hatte sie schnell begriffen, dass es um ihr Mäuseleben ging. Sie rannte so schnell es nur ging in Richtung Mäuseloch. Sie sah aber von der Seite schon das Küchenbeil angeflogen kommen. Anne war gerade durch das Mäuseloch gekommen, da spürte sie einen entsetzlichen Schmerz in ihren Mäuseschwanz und fiel in Ohnmacht. Sie lag da mit einen dreimal so dicken Bauch, Blut lief aus der Beule auf den Kopf und der Schwanz, ach du Schreck, war ein Stück kürzer. Der Suchtrupp war zum Glück schon längst losgegangen und lief den Lüftungsschacht entlang. Nach dem Plan von Mäusepapa wollten sie zuerst in der Küche suchen, weil Anne Eigennutz nur an ihren Hunger dachte. Von weitem konnten sie, kurz vor dem Mäuseloch, Anne liegen sehen. Alle rannten schnell zu ihr. „Ist sie tot?“, fragte Helga ängstlich ihren Vater. „Nein, nein, sie ist nicht tot, ohnmächtig ist sie.“ Die Mäuse rüttelten Anne und riefen sie immer zu, bis sie endlich aufwachte und vor Schmerzen stöhnte. Der Mäusevater, der immer noch sehr zornig war, hatte aber auch Mitleid mit Anne, weil sie so furchtbar aussah und große Schmerzen hatte. „Komm Anne, versuche aufzustehen“, sprach der Vater voller Sorge zu Anne. Ich kann nicht aufstehen, mein Bauch, der ist so dick, der Kopf und der Schwanz tun mir auch so weh. „Da müssen wir eine Trage bauen“, entschied der Mäuse-Schmidt Papa. Eddi Weißnichtwas und Tom der Freche rannten los und suchten Material zum bauen einer Trage. Die anderen Mäuse blieben bei Anne und trösteten sie. Eddi und Tom waren sehr schnell. Im Wäschelager fanden sie alles was sie für eine Trage brauchten und bauten sie auch gleich zusammen. Anne, die einen dreimal so dicken Bauch hatte, einen blutenden Kopf mit einer Riesenbeule und einen zu kurzen Schwanz, wurde von den Mäusen nach Hause getragen. Zu Hause angekommen, staunten und erschraken die anderen Mäuse nicht schlecht als sie die völlig entstellte Anne sahen. Aber besonders war Mäuse-Schmidt Mama schockiert. Sofort hat sie Anne an dem Kopf und dem Schwanz einen großen Verband angelegt. Nur mit dem viel zu dicken Bauch konnte sie nichts machen und Anne mußte berichten was sie alles gegessen hatte und woher sie das viele Essen hatte, um so einem dicken Bauch zu bekommen. „Ja, und warum hast du solche Verletzungen am Kopf und am Schwanz“, fragten die Mäuse Anne. Sie mußte alles erzählen. Wie sie in ihrer großen Gier das kalte Büfett angeknappert hat und nicht aufhören konnte, von dem großen Kochlöffel, dem dicken Koch, der aussah wie eine Tomate und dem schrecklichen Küchenbeil. Die Mäuse konnten es nicht fassen, wie man so etwas tun kann. Die Mäusemutter sagte mit ernster Stimme , du wirst jetzt dein ganzes Mäuseleben einen zu kurzen Schwanz haben und immer an deine bösen Taten denken müssen. Anne weinte fürchterlich, sie schluchzte ganz laut, so laut das die Spinnen von der Decke fielen. „Und was wird mit meinen dicken Bauch“, schluchzte Anne wieder. „Du muß eine Diät machen,“ sagt die Mäusemutter, „sonst bleibt der dicke Bauch für immer“. |